Diese Verse sind mitunter so verdreht,
das man den Sinn nicht gleich versteht.
Sprunghaft sind diese Gedanken,
die sich um mehrere Geschichten ranken.
So wie sie ein Mensch mit höchstem Fieber erlebt,
wenn er im Wahn mitten im Geschehen erbebt.
Immerzu wiederholt sich der Traum
und reißt diesen Menschen aus Zeit und Raum.
Träume
Nebel steigt aus den Tiefen
hervor
und legt sich über das Land,
Raureif an den Tannenspitzen gefror,
Elfen in weißem Gewand.
Eine Kutsche mit vier Pferden
bespannt,
sucht mühsam ihren Weg,
die Fahrgäste schauen wie gebannt,
brüchig wirkt der Steg.
Tief drunten in der dunklen
Schlucht,
da schäumet das Wasser wie wild,
der Kutscher verzweifelt den Ausweg sucht,
ein Schäfer auf seiner Flöte spielt.
Seine Herde ruht friedlich am
Waldessaum,
bewacht von den Hütehunden,
den hungrigen Wolf bemerken sie kaum,
er leckt noch die alten Wunden.
Vom fernen Turm der Glocke Ton,
die Mitternacht verkündet,
die ersten Kobolde zeigen sich schon,
der Mond hinter den Wolken verschwindet.
Schaurig ist es durchs Moor
zu gehen,
allein auf unsicheren Pfaden,
gespenstisch ist er anzusehen,
der Spinne glutroter Faden.
Sie spinnt ihr todbringendes
Netz,
für Feen und auch Elfen,
der Fuchs den Hasen zu Tode hetzt,
ihn kann keiner mehr helfen.
Die Moorgeister stehen schon
in Reihe und Glied,
mit todesverzerrter Miene,
der Fährmann singt sein schauriges Lied,
eine Fledermaus verschlingt mit Innbrunst die Spinne.
Der Nebel bedeckt nun das ganze
Land,
der Fieberwahn zieht seine Kreise,
der Träumende liegt im Schweiß wie gebannt,
um ihn herum wird es plötzlich ganz leise.
Ein Dämon benutzt die schaurige
Szene,
tritt Besitz ergreifend auf den Schlafenden zu,
die Moorgeister zeigen ihre gierigen Zähne,
der Fährmann, er kommt heute nicht zur Ruh.
Die Gischt sie schäumet,
der Irre laut lacht,
die Hexen sie tanzen auf schwankendem Boden,
die schwere See an die Bordwand kracht,
der hungrige Wolf hat wieder Stellung bezogen.
Die Herde ist nun in großer
Gefahr,
die Hunde spitzen schon ihre Ohren,
schwarze Gestalten bringen ein Opfer dar,
die Kutsche hat ihren Weg nun vollends verloren.
Die Fahrgäste versinken
immer tiefer im Moor,
verfluchen den Kutscher wie wild,
der bleiche Mond bricht durch den Nebel hervor,
der Wind singt des Todes Lied.
Das fahle Mondlicht erhellt
auch den See,
auf ihm schwimmen sieben Schwäne,
die Federn schwarz wie die Nacht und weiß wie Schnee,
immer lauter werden die schaurigen Gesänge.
Das Moor hat seine Opfer gefunden,
es gibt sie niemals wieder frei,
auf nimmer Wiedersehen verschlungen,
das schaurige Lied ist noch längst nicht vorbei.
Der Moorgeister Gemurmel girrt
aus röchelnden Kehlen,
sie haben diese Schlacht gewonnen,
ergreifen die versunkenen Seelen,
bevor das letzte Blut ist geronnen.
Der Fährmann wirkt völlig
teilnahmslos,
treibt unaufhaltsam den Stromschnellen zu,
sein Kopf liegt in der Hexen Schoß,
in des Schäfers Herde entsteht Panik im Nu.
Des Wolfes Angriff er kam viel
zu schnell,
für den Schäfer und seine Hunde,
was soll nun noch ihr lautes Gebell,
der Schafe Blut tropft aus des Räubers Schlunde.
Die Meute sie hetzt nun den
Wolf ohne Gnade,
lassen nicht mehr ab von seiner Fährte,
sie werden ihn stellen ganz ohne Frage,
um ihn zu bestrafen mit all ihrer Härte.
Sie jagen vorbei an den alten
Weiden,
die knorrig am Ufer des Flusses stehen,
auf dessen Fluten wird sich zeigen,
was mit dem Fährmann wird geschehen.
Vom nahen See sind die Schwäne
gekommen,
sie singen immer noch ihr eigenes Lied,
der Fiebernde hat im Wahn nicht vernommen,
welcher Sinn in des Liedes Versen liegt.
Er selbst sieht sich droben
auf brüchigem Stein,
von tiefem Sturz bedroht,
verzweifelnd fällt ihm kein Ausweg ein,
es lähmt ihn die Angst vorm eigenen Tod.
Krampfhaft versucht er zu öffnen
die Augen ,
er will das böse Spiel beenden,
doch all seine Versuche wollen nichts taugen,
er kann seine Sinne nicht wenden.
Immer tiefer lockt ihn der Schwäne
Gesang,
in den Sog dieser wirren Geschehen,
verlockend ist der Sirenen Klang,
die auf den Klippen vor ihm stehen.
Sie spielen die Harfe so wunderbar,
er fällt nun völlig in ihren Bann,
werden wir wohl jemals gewahr ,
ob er dem Fluche entkommen kann?
Wach auf, wach auf, rufen ihm
die Elfen zu,
Erlkönigs Töchter können dich gut leiden,
sie geben bestimmt niemals mehr Ruh,
die Moorgeister warten schon hinter den Weiden.
Des Fährmanns Floß
es treibt dahin,
es wird wohl gleich zerschellen,
die Hexen verwirren ihm völlig den Sinn,
immer lauter hört man die Hunde bellen.
Haben sie ihr grausames Werk
schon beendet?
Nun färbt sich das Wasser des Flusses blutrot,
das Blatt hat sich scheinbar gewendet,
die Schwäne helfen aus großer Not.
Es geht ein Raunen durch die
Weiden,
ist das Wasser etwa der Hexen Blut?
Wird sich vielleicht doch noch zeigen,
das der Fährmann bezwingt die Flut?
Sein irres Lachen, es ist verflogen,
er kämpft verzweifelt gegen den Wahn,
die Moorgeister haben sich zurück gezogen,
die weißen Schwäne ziehen den Kahn.
Singen sie etwa von Frieden
und Glück?
Von großer Geborgenheit?
Zeigen sie den anderen Weg zurück
und singen vom Weg in die Freiheit?
Der Fiebernde liegt im Schweiße
gebadet,
sein röchelnder Atem beruhigt sich nicht,
Erlkönigs Töchter haben sie ihm geschadet?
derweil der Mond endgültig den Nebel aufbricht.
Blutrot wie das Wasser färbt
sich der Himmel,
mächtige Streitwagen sind zu sehen,
sie werden gezogen von kräftige Schimmel
und jagen über das grausige Geschehen.
Noch einmal greifen die Moorgeister
ein,
gefolgt von Hexen und grausigen Gestalten,
im allerletzten Mondenschein,
wollen sie doch die Übermacht behalten.
Sie wissen es bleibt nicht mehr
viel Zeit,
es naht des Tages Licht,
bis zur Vollendung ist es nicht weit
das Morgengrauen ihre Kräfte bricht .
Der Rest der Schafherde weidet
am Waldesrand,
die Hunde liegen erschöpft im Gras,
Feen und Elfen spielen vergnüglich im Sand,
die Fratzen der Moorgeister erstarren vor Hass.
Zu spät
Sie können das Werk nicht
mehr vollenden,
in dieser vergangenen grausigen Nacht,
doch lassen sie es sicher nicht dabei bewenden,
ein Waldkobold sie höhnisch verlacht.
Der Fährmann liegt vom
Kampfe ermattet,
gezeichnet von dem wilden Geschehen,
er hat es den Hexen nicht gestattet,
mit seinem Schiff und in sein Herz zu gehen.
Die Schwäne sie ziehen
noch immer den Kahn,
steuern ans Ufer ganz gezielt,
vorbei ist für heute der Moorgeister Wahn,
der Schäfer auf seiner Flöte spielt.
Der Nebel verschwindet in den
unendlichen Tiefen,
befreit ist das ganze Land,
verschwunden die bösen Geister die wir riefen,
Elfen in weißem Gewand.
Wilhelm Rohe