Der Wind streicht leise durch
dein Haar,
wiegt sanft das Dünengras hin und her,
am Strand ruht eine Möwenschar,
das Meer liegt ermattet, es tobt nicht mehr.
Diese Stimmung sie fängt
dich ein,
ist Balsam für Körper, Geist und Seele,
sie lässt Gefühle in dich hinein,
ohne zwingende Befehle.
Völlig entspannt liegst
du im warmen Sand
und schaust den umtriebigen Möwen zu,
das Meer es schimmert als blaues Band,
du schließt die Augen, kommst ganz zur Ruh.
Im Schein der schützenden
warmen Sonne,
verliert sich völlig Zeit und Raum,
Träume, die erfüllt sind voller Wonne,
ein fernes Grollen, du hörst es kaum.
Du träumst von einer heilen
Welt,
ohne Hass und ohne Neid,
jedes Feld ist gut bestellt,
ohne Hunger und ohne Leid.
Es gibt keinen Krieg, es gibt
nur Frieden,
jeder Mensch findet sein Glück,
Unheil ist ihm fremd geblieben,
alle bekommen ein gleich großes Stück.
Ein gleich großes Stück
Glückseligkeit,
als Anteil an ein erfülltes Leben,
man ist spontan und immer bereit,
dem Anderen seinen eigenen Anteil zu geben.
Du träumst in dieser schönen
Welt,
von deiner Frau und deinen Kindern,
träumst nicht von ersehntem großen Geld,
es würde das Glücklichsein nur behindern.
Du träumst von einem Feld
voller Blumen,
mit herrlich betörendem Duft,
möchtest eine Melodie dir summen,
Wohlbefinden liegt in der Luft.
Du träumst von deinen Enkelkindern,
mit ihrem spitzbübischen Lachen,
ein Lachen das jedes Leid kann lindern
und die dich rundum glücklich machen.
Dein Leben zieht im Traum vorbei,
doch nur das Glück und nicht das Leid,
die Sorgen sie sind einerlei,
alles hat seine eigene Zeit.
Ein Lächeln legt sich auf
dein Gesicht
und strahlt die innere Zufriedenheit aus,
viele dieser Momente gibt es nicht,
so kommst du selten aus den Zwängen heraus.
Das plötzliche Zanken der
Möwenschar,
das lauter werdende Grollen,
es macht dir die Wirklichkeit wieder klar,
ohne es so recht selbst zu wollen.
Krampfhalt suchst du den Weg
zurück,
zurück in deinen Traum,
in die Scheinwelt voller Glück,
nur gelingen will es kaum.
Du schmeckst das Salz auf deinen
Lippen,
das Meer es riecht nach Teer und Tang,
es ist ein Tanz auf schmalen Klippen,
so schwanken die Gefühle ein Leben lang.
Langsam öffnen sich deine
Augen,
sie sehen die Sonne die nun glutrot,
im Meer versinkt wie manche glauben,
und bringt die Welt aus ihrem Lot.
Du schaust noch lange hinaus
aufs Meer,
auf die Dünen und auf den Strand,
die Möwen sie zanken längst nicht mehr,
weil jede genügend Futter fand.
Zufrieden machst du dich auf
deinen Weg,
den Weg in die reale Welt
und sagst: Wenn ich's so recht mir überleg,
es mir auch so ganz gut gefällt.
Der Wind streicht leise durch
dein Haar,
wiegt sanft das Dünengras hin und her,
verschwunden ist die Möwenschar,
geblieben ist das Meer.
Wilhelm Rohe