Des Abend langer
Schatten,
legt sich über das Land,
der Tag muss nun gestatten,
das bald die Dunkelheit hat Bestand.
Die Sonne versinkt
im Abendrot,
mit ihr das letzte Tageslicht,
ringsum von dunklen Wolken bedroht,
ändert sich dieser Zyklus nicht.
Irrungen, Wirrungen,
tiefschwarze Nacht,
Gedanken die nun keinen Weg mehr finden,
angstvoll viele Stunden durchwacht,
Hemmnisse - nicht zu überwinden.
Es plagen sich
viele Menschenseelen,
mit der ihnen auferlegten Pein,
mag ihnen auch etwas Mut nur fehlen,
entscheidend ist - sie sind allein.
Allein in dieser
Dunkelheit,
die oft nicht enden will,
Resignation macht sich breit,
Herzen stehen für Momente still.
Worte leise vor
sich hin gesprochen,
verhallen irgendwo im Raum,
die Kälte kommt langsam hochgekrochen,
nimmt Besitz vom Lebensbaum.
Fesseln fest
die Brust umschließen,
kein Versuch sie zu durchtrennen,
bittere Tränen langsam fließen,
aus Augen die so schmerzlich brennen.
Mitleid mit dem
eigenen Schicksal,
verstärkt den bitteren Tränenfluss,
das Weiterleben wird zur Qual,
Gedanken an des Lebens Schluss.
Minuten werden
nun zu Stunden,
Hoffnung- das bald der Morgen beginnt!
dieses Sehnen verzweifelt damit verbunden,
das der Tag sich eines Guten besinnt.
Am Firmament
das erste Grau,
Vogelgezwitscher dringt ans Ohr,
dieser Gesang gleicht einer Brandung,
manch einer kommt sich neu geboren vor.
Vorbei die lange
schwarze Nacht,
freudig begrüßt der neue Morgen,
haben dies die Gebete ausgemacht,
die gesprochen in den tiefsten Sorgen?
Die Sonne wärmt
die kalten Herzen,
bringt wieder neuen Lebensmut,
verdrängt die großen Seelenschmerzen,
des Tages Licht - es tut so gut.
Ist oft auch
Selbstbetrug dabei,
als eigennützige Therapie,
dem Ergebnis ist dies einerlei,
als Momentaufnahme schadet es nie.
Kurzlebig wie
dieser kommende Tag,
kurzlebig wie das ganze Leben,
was das Schicksal auch bringen mag,
es muss nur genügend Zuversicht geben.
Zuversicht und
innere Ausgeglichenheit,
gibt den Menschen die nötige Kraft
sie sind dann auch zum Kampf bereit,
wenn das Leben neue Sorgen schafft.
Ein Schiff das
bald zu sinken droht,
weil es in schwere See gerät,
kommt nicht wirklich in große Not,
wenn ein guter Steuermann am Ruder steht.
Die Sonne im
Herzen als Steuermann,
mit ihrer Wärme und schützendem Licht,
der tiefsten Dunkelheit trotzen kann,
wir fürchten uns dann nicht.
Des Abend langer Schatten,
liegt wieder über unser Land,
die Furcht die wir einst hatten,
ist sie uns nun unbekannt?
Wilhelm Rohe