Stille!
Der Winter legt sich über
das Land,
der Frost zeigt sich mit starker Hand.
Ich wandre hinaus aufs weite Feld,
für die Gemütslage wie bestellt.
Schwermütig zeigt sich heut mein Sinn,
bekomme keine klaren Gedanken hin.
Nebelschleier mich umgeben,
sie begleiten mich auf meinen Wegen,
bis hin- wie zufällig an den See,
an dessen Ufer ich so gerne steh.
Im Sommer noch fast Vollkommenheit,
doch in dieser argen Winterzeit,
will es mir einfach nicht gelingen,
meine Gedanken dort hin zu bringen.
Ich schließe
die Augen und träume den Traum,
von dem mutigen Schneeglöckchen am Waldessaum.
Bemerke kaum den fallenden Schnee,
öffne die Augen, schau auf den See,
der plötzlich eine unendliche Ruhe ausstrahlt,
wie von Künstlerhand gemalt.
Raureif und Schnee ist nun der Bäume Kleid,
die sich um den See haben aufgereiht,
wie ein Schutzschild stehen sie dort,
umgeben einen geborgenen Ort.
Das Entenpaar
glaubte ich zu sehen,
wie mag es wohl ihren Jungen gehen?
Das Blesshuhn will es noch Futter finden,
so wird ihm dieses wohl kaum gelingen.
Langsam befreien sich meine Gedanken,
es öffnen sich die sperrenden Schranken.
Beruhigend wirkt der See auf
mich,
die Nebelschleier, sie lüften sich.
Ich spüre plötzlich die Kälte nicht mehr,
das Herz, es wiegt nicht mehr so schwer,
gern hänge ich nun meinen Gedanken nach,
warum nicht eher, ich mich frag'?
Die Natur hat uns hier einiges
voraus,
stellt sich ein auf den Garaus,
nimmt es hin und ist sogar bereit,
auch dann zu zeigen ihre ganze Schönheit.
Den Birken fehlen zwar die grünen Blätter,
ich finde, das weiße Kleid steht ihnen sogar besser,
Manche Schneeflocken sehen aus wie Sterne,
meine sogar Glocken zu hören aus weiter Ferne.
Mit diesen Eindrücken verdränge
ich die Sorgen,
quäle mich auch nicht mehr mit "Morgen",
stapfe munter durch den weichen Schnee,
eine beschwingte Spur ich hinter mir seh.
Ich gehe den gleichen Weg zurück,
sehe mein Dasein wieder als Glück.
Dort am Wegekreuz da halte ich ein,
spreche ein Dankgebet, es macht die Seele rein
und während ich beginne zu sprechen,
kommt es mir vor, als würde der Herrgott lächeln.
Mir fällt meine Liebste
zu Hause ein,
ich weiß ja, ich bin nicht allein.
Ist meine Not auch noch so groß,
sie lässt mich nicht fallen, sie lässt mich nicht los.
Nichts beglückt die menschliche Seele mehr,
als Zufriedenheit und innere Einkehr.
Wilhelm Rohe