Mein Freund,
willst Du das Moor durchqueren
wo noch die Sommerheide blüht,
so will ich es dir nicht verwehren
solang das Abendrot noch glüht.
Versinkt die Sonne hinterm Meere
und zeigt der Mond sein Angesicht,
dann bitt um Gnad' für deine Seele
wenn schnell der Nebel dort aufbricht.
Ein Gebet will ich für
dich wohl sprechen
damit den Weg du nicht verfehlst,
halt dich an Rosen und Dornen in den Hecken
damit du auf festem Boden stehst.
Verführen werden dich Dämone
sie locken dich ins tiefe Moor,
Hexentanz und Kobolde
gaukeln die heile Welt dir vor.
Immer tiefer sinkt die Seele
in des Moores Grund hinab,
du erkennst sehr spät die schwere
Schuld die man dir damit gab.
Noch tragen dich die falschen
Elfen
über den Abgrund der so tief,
doch irgendwann wird dir keiner helfen
so sehr auch dein Herz um Hilfe rief.
Kehre um vom falschen Wege
und hör auf die Worte im Gebet,
such die Rosen in der Hecke
auch wenn es nicht ohne Dornen geht.
Du siehst die Sommerheide wieder
blühen
im wunderschönen Abendrot,
spürst nicht die Plagen und die Mühen
und erkennst den Freund in deiner Not.
Wilhelm Rohe