Am See

 

Ganz nahe und still liegt vor mir der See,
Ruhe und Frieden strahlt er aus,
nichts stört den Blick so weit ich seh,
fürwahr ein wahrer Augenschmaus.

Im Schilf ein Blesshuhn nach Futter sucht,
der Fischreiher seine Kreise zieht,
eine Gruppe Kinder ein Tretboot bucht,
der Schwarm geschwätziger Spatzen ins Nachtquartier fliegt.

Ich sauge diese Stimmung in mich auf,
leere das Glas das vor mir steht,
hoffe vergebens darauf,
das dieser Moment nie zu Ende geht.

Ein Entenpaar schwimmt stolz vorbei,
im Schlepptau seine Kükenschar,
der Katze am Ufer ist dies nicht einerlei,
ein leichter Wind streicht durch mein Haar.

Kaum merklich wiegen sich die Birken im Wind,
im See das Spiegelbild der roten Sonne,
diese Momente machen mich glücklich wie ein Kind,
erfüllen meine Seele voller Wonne.

Kein trüber Gedanke stört dieses Idyll,
melancholisch hängen die Gedanken nach,
im Sonnenlicht der Mücken Spiel,
verkünden einen schönen Tag danach.

Langsam versinkt die Sonne hinter den Bäumen,
die Stühle neben mir werden hochgestellt,
sie reißen mich aus meinen Träumen,
holen mich zurück aus dieser heilen Welt.

Wilhelm Rohe