Verblichen ist der Sonne Glanz
beim Untergang tief dort im Westen,
verglühender Schein im Strahlenkranz
der Tag stand nicht zum Besten.
Glutrot und fern am Firmament
versinkt der große Feuerball,
Wolkenfetzen zieh'n behend
Dämmerung schon überall.
Von des Tages Last befreit
im letzten Abendschein,
leuchtet's über Meere weit
verloren scheint das Sein.
Die Laute weißer Möwen
gellen
wie der Aufschrei ferner Rufer,
träge rollen schäumend Wellen,
über sanft abfallende Ufer.
Ruhe sanft vergangener Tag
nun wird es finstere Nacht,
doch über alles steht die Frag'
warum hast du so viel Leid gebracht?
***
Ruhe sanft mein lieber Freund
geschlossen deine Augen,
wir haben viel um dich geweint
unfassbar, nicht zu glauben.
Die Meere, dort warst du zu
Haus
als großartiger Kapitän,
doch deine Fahrt sie ist nun aus
wir werden dich nie wiedersehn.
Warum Du? die bange Frage
ist nur schwerlich zu begreifen,
warum so früh auf jener Bahre
musstest du nun von uns weichen.
Warum Du? du guter Geist
der so viel Schmerz trug mit Geduld,
Kummer nun in uns vergreist
wir stehen tief in deiner Schuld.
Warum Du? warum schon jetzt
wir hatten Pläne noch so viel,
Tränen unser Bild benetzt
du bist nun aus dem Spiel.
Durch den Schleier dieser Tränen
schemenhaft und doch ganz klar,
geht zu Dir ein großes Sehnen
in Gedanken - sonderbar.
Warst nicht nur mir ein lieber
Freund
herzensgut und hilfsbereit,
niemanden hat es gereut
dich zu kennen, all die Zeit.
Nur Gutes kam aus deinem Munde
für jeden Mensch ein liebes Wort,
gewacht so manch nächtliche Stunde
nun gingst Du einfach fort.
Still und leise ohne Abschied
ohne Gruß auf Wiedersehen,
verklungen ist das letzte Lied
vielleicht gibt es ein Auferstehen.
Ein Trost ist dennoch mir Gewahrsam
der Tod erlöste schweres Leid,
schloss deine Augen ganz behutsam
mit Gnade und Barmherzigkeit.
So will ich Deiner nun gedenken
in der Erinnerung die mir bleibt,
manches Gebet will ich dir schenken
mach mich aufs Wiedersehn bereit.
Mag die Zeit manch Wunde heilen
nie verblassen wird dein Stern,
du wirst in vielen Herzen weilen
denn jeder von uns hatte dich gern.
Nun denn, Adieu und gute Reise
bleib uns im Himmel treu du Schelm,
ich denk an Dich auf meine Weise
vergess Dich nie - Vetter Wilhelm
Wilhelm Rohe